Passive Häuser

von admin | Allgemein | 22. April 2012 17:05 Uhr

Ein Passivhaus ist ein Niedrigenergiehaus, bei dem der Energiebedarf aus sogenannten inneren Gewinnen, wie der Erwärmung durch Sonneneinstrahlung und der Wärmeabstrahlung von Personen und technischen Geräten erzielt wird. Dieses sind passive Energiequellen, davon leitet sich der Name des Hauses ab. Nur der restliche Energiebedarf wird über eine beliebige Heizeinrichtung zugeführt. Erreicht werden kann die Energieeinsparung durch besondere Sorgfalt bei der Wärmedämmung. Ziel ist es, so wenig wie möglich Energie durch Transmission und Lüftung zu verlieren. Damit das Prinzip des Passivhauses funktionieren kann müssen alle Außenflächen des Hauses gut gedämmt sein, neben den Außenwänden also auch die Dachfläche, die Kellerwände, das Fundament, sowie die Fenster. Undichte Stellen sind insbesondere auch bei den Verrohrungen, die vom Inneren des Gebäudes ins Freie gehen zu vermeiden. Ein besonderer Stellenwert kommt in Passivhäusern den Fenstern zu. Normale Fenster sind im Regelfall der Schwachpunkt der Wärmedämmung, in diesen Bereichen geht am meisten Energie verloren. Um dies zu vermeiden werden für Passivhäuser zumeist dreifach verglaste Fenster verwendet. In den Scheibenzwischenräumen befindet sich Argon oder Krypton. Der Wärmedämmwert derartiger Fenster ist zwar schlechter als der Wärmedämmwert einer gut gedämmten Wand, kann aber dennoch unter bestimmten Voraussetzungen eine positive Energiebilanz erreichen. Alternativ zu den dreifach verglasten Fenstern können auch Fenster mit zwei hintereinander angeordneten Fensterflügeln verwendet werden. Diese bieten noch bessere solare Energiegewinnung und optimalen Wärmeschutz. Der Rahmen der Fenster wird bei beiden Varianten möglichst schmal gehalten um einen möglichst höhen Energieeintrag der Glasflächen zu erreichen.

Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Wohnraumlüftung in Passivhäusern. Durch das Lüften darf nicht zu viel Energie verloren gehen, darum ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung erforderlich. Aus der Abluft wird hierbei die Wärme zurück gewonnen. Durch die gute Dämmung ist ein natürlicher Luftaustausch vom Inneren des Gebäudes mit der Außenluft nicht möglich. Daher ist der Einbau einer Lüftungsanlage erforderlich. Durch den Abtransport der verbrauchten Luft und des angefallenen Wasserdampfes wird ein angenehmes Raumklima erzeugt. Um den Wärmeverlust durch den Lüftungsvorgang gering zu halten ist eine Wärmerückgewinnung erforderlich. Diese wird mit einem Gegenstromwärmeübertrager durchgeführt. Der Wärmeübertrager kann bis zu 95 Prozent der Wärme aus der Abluft zurückgewinnen und als frische und gefilterte Zuluft wieder in die Wohn- und Schlafräume leiten. Über Überstromöffnungen wird die Luft aus den Wohn- und Schlafräumen in die Flure geleitet. In der Küche, den Bädern und den WCs des Hauses wird die Luft abgesaugt. Die Fortluft entweicht nach dem Durchgang durch den Wärmeübertrager ins Freie. Einige Geräte sind auch in der Lage einen Teil der Luftfeuchtigkeit für die Zuluft zu erhalten. Der Luftfilter des Wärmeübertragers kann bei Bedarf auch durch einen Pollenfilter ersetzt werden. Ein kompletter Austausch der gesamten Luft im Haus dauert zwischen einer Stunde und vier Stunden. Dieser Vorgang läuft für die Bewohner des Hauses völlig unbemerkt ab, da nur geringe Luftvolumenströme erforderlich sind, die weder Zugluft noch Strömungsgeräusche verursachen. Bei einer höheren Luftwechselrate können Strömungsgeräusche hörbar sein, wenn die Luftkanäle zu eng sind.

In Passivhäusern herrscht eine gleichbleibende Temperatur. Auch die Wände und Böden solcher Häuser sind warm. Die Bildung von Schimmelpilzen ist damit ausgeschlossen. Im Sommer herrscht im Inneren eine angenehme Kühle, ohne dass hierfür eine gesonderte Klimaanlage nötig wäre. Die Luftfilter bzw. Pollenfilter sorgen für eine gute Luftqualität. Ein Lüften über die Fenster des Hauses ist zwar theoretisch möglich aber nicht nötig. Die besonders im Winter manchmal zu beklagende niedrige Luftfeuchtigkeit kann durch einen Wärmeübertrager mit Feuchterückgewinnung vermieden werden. Den höheren Stromkosten durch den Betrieb der Wärmepumpe steht die Ersparnis an Heizkosten entgegen. Die Baukosten eines Passivhauses sind höher als die Errichtungskosten eines Hauses mit herkömmlicher Heizanlage. Da die Folgekosten aber geringer sind, ist es eine lohnende Investition.

Passivhäuser sind nicht an eine bestimmte Bauweise gebunden. Auch bei Umbauten oder Sanierungen von älteren Häusern können die Standards eines Passivhauses erreicht werden. Die Kosten für den nachträglichen Einbau sind höher als bei einem Neubau und auch aufwändiger. Ob sich dies lohnt muss im Einzelfall geprüft und durchgerechnet werden.

Keine Kommentare

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Sorry, the comment form is closed at this time.